Informationen über Traumata

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Was sind Traumata?

Ein Trauma ist eine psychische oder physische Ausnahmesituation, die von der betroffenen Person nicht bewältigt und verarbeitet werden kann. Man kann sich dies als eine Art „seelische Verletzung“ vorstellen, welche einen Menschen ein Leben lang beeinträchtigen kann. Traumatische Ereignisse bedrohen die Unversehrtheit eines Menschen und versetzen diesen in extreme Angst und Hilflosigkeit. Diese Erlebnisse sind so tiefgreifend, dass die üblichen Bewältigungsstrategien der menschlichen Psyche überfordert sind. Hierbei wird in 2 Ausprägungen unterschieden:

  • Typ-1-Traumata sind einmalig auftretende Erlebnisse wie beispielsweise Unfälle oder Naturkatastrophen.
  • Typ-2-Traumata sind andauernde oder sich wiederholende Erlebnisse wie Folter, Missbrauch oder sogenannte „man made desasters“. Diese ziehen häufig tiefgreifende psychische Probleme nach sich.

Es gibt unterschiedliche Auslöser für schwere Traumata. Eines der bekanntesten Traumata dürfte das Verhalten von Soldaten aus dem 1. Weltkrieg sein. Die sogenannten „Kriegszitterer“, erlebten Ausnahmesituation, die ihre Psyche nicht verarbeiten konnte– sie wurden in Schützengräben verschüttet und sahen, wie ihre Kameraden von Granaten zerrissen wurden. Neben psychischen Folgen, die durch solche erschreckenden Erlebnisse auftreten, können in der Folge auch psychosomatische Leiden ausgelöst werden.

Was ist ein transgenerationales Trauma?

Ein transgenerationales Trauma ist ein generationsübergreifendes Trauma, das an die Folgegeneration weitergegeben wird. Hierbei werden die Erfahrungen und Erlebnisse einer Generation an die Mitglieder der nachfolgen Generation weitergegeben. In der Regel ist diese Weitergabe nicht beabsichtigt und passiert unterbewusst. Die Erlebnisse spiegeln sich im Verhalten und den Denkweisen der Eltern wider und übertragen sich somit auf die Kinder. Erwachsene sind ein Richtstab für Kinder, von denen sie lernen und denen sie nacheifern. Sie lernen von welchen Situationen Gefahren ausgehen und übernehmen die Gefühle der Erwachsenen in sich auf – sie lernen sich „richtig“ zu verhalten und sich „richtig“ zu fühlen. Hierbei werden sowohl positive als auch negative Erfahrungen auf unterschiedlichste Weise übergeben. Diese Erfahrungen werden schon im frühen Kindesalter erlebt und abgespeichert. Dies reicht von posttraumatischen Belastungsstörungen bis hin zu kulturellem Verhalten, wie beispielsweise das Erlernen eines bestimmten Berufes oder das Ausüben einer Sportart.

Wie äußern sich transgenerationale Traumata?

So unterschiedlich die Erlebnisse eines Traumas sind, so ist es auch die Art und Weise wie sich ein Trauma äußert. Jeder Betroffene entwickelt seine eigene, individuelle Strategie mit seinem Trauma umzugehen. Es gibt jedoch einige Symptome, die typisch für Traumata sind. Zu den deutlich sichtbaren Symptomen gehören:

 

  • Dissoziationen – Momente, in denen sich die Betroffenen als Beobachter des eigenen Handelns wahrnehmen. Sie haben das Gefühl keine Möglichkeit zu haben, ihr Verhalten zu steuern.
  • Erinnerungslücken – Betroffene erinnern sich nicht mehr an geschehenes. Selbst wenn Fotos betrachtet werden, erkennen sie zwar Menschen oder eventuell die Umgebung, jedoch ohne Zusammenhang zu den Ereignissen. Dasselbe gilt für Erzählungen.
  • Wiedererleben / Flashbacks – Flashbacks sind Erinnerungsblitze, an auslösende Ereignisse, die wie ein Bild oder ein Film vor dem inneren Auge der betroffenen auftauchen.
  • Einfrieren in Situationen, die Assoziationen zum Erlebten darstellen. Wenn z.B. eine Aggression des anderen fast körperlich zu spüren ist oder ein anderer laut schreit. Für Kriegskinder können auch Warnsirenen oder Silversterknaller Auslöser für das Einfrieren sein.
  • Vermeidung – Hierbei vermeiden Betroffene Situationen, die für sie eine empfundene Bedrohung darstellen. Dies können alltägliche Situationen sein, wie ein Gang in den Keller oder die Benutzung des ÖPNVs.

Was sind Auslöser für Traumata?

Unterschiedlichste schreckliche und einschneidende Ereignisse können traumatisierend wirken. Da Traumata fast immer unerwartet geschehen, ist es nicht möglich sich darauf vorzubereiten. Betroffene werden Erlebnissen von extremer Angst, Kontrollverlust und Ohnmacht ausgesetzt. Da diese so einschneidend sind, ist es den meisten Menschen zunächst nicht möglich, diese Situationen „extremer“ Hilflosigkeit zu verarbeiten. Unsere Bewältigungsmechanismen reichen schlichtweg nicht aus, um das Erlebnis zu verarbeiten. In extremen Situation ist der natürliche Impuls der Menschen entweder zu kämpfen oder zu fliehen – fight or flight. Da beides nicht möglich ist, erscheint uns die Situation ausweglos. Zu diesen Situationen zählen neben tatsächliche und drohende Todeserfahrungen auch ernsthafte erlittene Verletzungen. Diese können so einschneidend sein, dass Betroffene davon traumatisiert werden. Auch die reine Beobachtung kann aber zu einer Traumatisierung führen. Wird der eigenen Person oder eine andere Person körperlicher oder seelischen Schaden zugefügt (Beispielsweise Folter), kann dies die Betroffenen nachhaltig traumatisieren.

Was kann man gegen Traumata tun?

Traumata können glücklicherweise aufgearbeitet und überwunden werden. Dazu nutzt die Psychotherapie die sogenannte Traumaexposition. Hierbei setzt sich der Betroffene stückweise mit seinem Trauma auseinander und lernt damit es zu verarbeiten. Dann ist es möglich ein Abschied vom Vergangenen zu nehmen und einen Blick in die Zukunft zu wagen. Betroffene können durch eine Behandlung des Traumas Krisen effektiv meistern und die eigenen Ziele, Werte und Prioritäten neu orientieren.